Wie du deinem Kind beim Vokabellernen helfen kannst und was du auf keinen Fall tun solltest!

Vokabeltipps

Vokabeln lernen kann ein echtes Ärgernis werden, wenn es bei deinem Kind nicht automatisch “flutscht”, weil die passenden Vokabellernstrategien fehlen. Ich bin immer wieder erstaunt, dass Vokabeln offenbar auf immer dieselbe, eher eintönige Art und Weise gelernt werden. 

Durchlesen, dann rechte Spalte abdecken und so oft wiederholen, bis die Wörter “drin” sind. 

Kein Wunder, dass dann das Gehirn sagt “Dankeschön, das ist aber langweilig. Ich schalte dann mal ab.”

Eine beliebte Variante – vor allem für jüngere Kinder in der 5. oder 6. Klasse – ist, dass DU mit deinem Kind die Vokabeln paukst. Mit dem Effekt, dass zumindest DU  sie dann kannst. 

Dass sie den Kopf deines Kindes dauerhaft erreicht haben, ist bei allem Engagement und gutem Willen aber eher unwahrscheinlich. 

Ich verrate dir hier in diesem Blogbeitrag 20 Vokabellernstrategien, die du deinem Kind nach und nach beibringen kannst, damit das Wörterlernen seinen Schrecken verliert und Vokabeln mit Spaß gelernt werden. 

Eine gute Nachricht vorweg: Egal, ob du eine, zwei oder keine Fremdsprache gelernt hast – du kannst mit den folgenden Tipps dein Kind effektiv unterstützen.

Es geht um Strategien für dein Kind,  nicht um deine eigenen Fremdsprachenkenntnisse und ob du damals Latein/Englisch/Französisch leicht fandest oder nicht.

Du kannst Vokabeln nicht für dein Kind lernen

Ist ja nett gemeint, wenn du mit deinem Kind lernst und dir lustige Eselsbrücken überlegst.
Dann kannst du die Vokabeln auf jeden Fall! 😉 

Aber das ist nur Vorkauen und dein Kind muss nichts mehr selbst denken.

Aber nur selber denken schafft Wissen und parkt einen Begriff nachhaltig im Gedächtnis. 

Also: Weniger ist hier mehr.

Du kannst nicht für dein Kind lernen.

Und du kannst es auch nicht zum Lernen zwingen (Zum ruhig am Schreibtisch sitzen und geschäftig ins Vokabelheft schauen natürlich schon).

Man muss eine Vokabel nicht schreiben, um sie sich zu merken

Vokabeln kann dein Kind auch gut ohne Vokabelhelft lernen. Ja. Wirklich.

Dein Kind muss herausfinden, wie es am besten funktioniert. Klar, wenn der Lehrer auf einem Vokabelheft besteht ist das so. 

Aber wenn nicht: Nutze die Chance und gehe diesen Weg mit!

Denn meistens meinen Kinder ja, die Vokabeln sind bereits abgespeichert, wenn das Vokabelheft sich füllt.  Nö. Is nicht so. 

Jetzt bekommst du von mir 15 Ideen an die Hand, die du nach und nach deinem Kind zeigen kannst. 

Verpasse keine Lernhacks mehr! 

BASISLAGER

Diese Grundlagen über das Gehirn musst du kennen – und dein Kind.  Vorher lohnt es sich nicht loszugehen!

Das Gehirn ist ein Neuigkeitsdetektor

Wiederholen ist die Mutter des Lernens – aber soooo öd. Auch für das Gehirn.

Neue Informationen sind interessant – aber wenn das Lernen auf immer die gleiche Art und Weise stattfindet, schaltet das Gehirn ab. 

Das Gehirn ist eine Optimierungsmaschine

Use it, or lose it.

Was nicht regelmäßig wiederholt wird, wird vergessen. So einfach ist das.

Diese Erkenntnis muss dein Kind erst lernen, aber es ist gut mit kreativen Methoden den erworbenen Wortschatz immer wieder umzuwälzen. 

7 +/2    Die Aufnahmekapazität für nagelneue Informationen ist limitiert. 

Es ist realistisch 5 – 9 Chunks  auf einmal neu zu lernen.
Klar geben Lehrer mehr auf.  Deshalb sollte dein Kind nach 5-9 neu gelernten Vokabeln eine kleine Mathepause einlegen. Danach werden die ersten 5-9 Wörter wiederholt und die nächsten 5-9 gelernt. 

ERSTER ANSTIEG
Lerntipps für den ersten Kontakt mit einer neuen Vokabel.

Los geht’s. Es geht eine leichte Anhöhe hinauf –  ohne TUN ist lernen unmöglich.

1. Vokabel laut sprechen, gegebenenfalls in einem Online-Wörterbuch nachhören zum Beispiel hier
für Englisch www.oxfordlearnersdictionaries.com oder für andere Fremdsprachen z.B. bei  de.pons.com

2. Wortbild und Schreibweise mit der Kinostrategie einprägen

3. Das Wort im Kontext lernen – entweder im Schulbuchtext finden oder die mittlere Spalte laut lesen

4. Überlegen, ob das Wort in einer anderen Sprache ähnlich vorkommt (z.B. Information – information) 

5. wenn möglich, Vokabel mit einer Bewegung verbinden – klappt gut bei Verben : z.B. comb (kämmende Handbewegung) oder Adjektiven (flabberghasted – total überrascht schauen und ein “Wow” ergänzen

6. Vokabel mit einem Bild verbinden (perfekt für Nomen) oder auch Wörter wie LOOK. Mit zwei Augen in den beiden OOs merkt sich dein Kind die Schreibweise und die Bedeutung ohne Probleme.
Querdenken und Phantasie sind absolut erlaubt! 

7. In jedem aktuellen Schulbuch gibt es Hörtexte. Dein Kind kann die Hörttexte ganz einfach online anhören. In der Regel ist ein Kürzel auf jeder Seite zu finden, die Webadresse zum Download findest du auf der ersten Buchseite. 

Am besten machst du es deinem Kind am Beispiel von 2-3 Vokabeln vor.

Aber dann kann es die nächsten 5-9 alleine so lernen. 

Der erste Anstieg ist geschafft. Dein Kind hat sich 5-9 Vokabeln eingeprägt. Jetzt geht es darum, die Vokabeln zu festigen und zu wiederholen. 

STEILHANG: Vokabeln einprägen

Hier sind ein paar hilfreiche Ideen – lass dein Kind einfach ein paar ausprobieren… Es klappt nicht jede Idee mit jedem Wort gleich gut.

1. Mit den gelernten Wörtern eine Geschichte ausdenken. Wenn dein Kind im ersten Lernjahr ist, reichen die Sprachkenntnisse natürlich noch nicht aus. Dann reicht das bildliche Vorstellen auch aus. 

2. Im Schulbuchtext die neuen Vokabeln finden und den entsprechenden Satz bewusst lesen.

3. Die Wörter, die sich dein Kind partout nicht merken kann, kommen auf eine Karteikarte. Diese Karten regelmäßig wiederholen.

4. Eine andere Methode, wenn eine Vokabel nicht im Kopf bleiben will: Absichtlich vergessen!

5. Das Gehirn mag keine Langeweile: Deshalb beim Wiederholen das Wort einmal leise/ laut sprechen, rappen oder singen. 

6. Durcheinander aufsagen: alphabetisch, nach Wortarten, vom Deutschen in die Fremdsprache und umgekehrt… 

7. Treppenabfrage: Dein Kind fragt sich selbst ab – bei jedem gewussten Wort geht es eine Stube nach oben, bei jedem Fehler eine Stufe zurück. 

GIPFEL: Flexibel mit dem Wortschatz umgehen

Jetzt wird es zugig. Das muss dein Kind tun, damit die neuen Begriffe auch wirklich im Gehirn bleiben. 

Immer wieder die Vokabelseiten durchgehen ist aber grottenlangweilig.

Dein Kind lernt mit den folgenden Methoden, flexibel mit den Wörtern umzugehen. 

Also los. 

1. ABC Liste: 3 Minuten lang alle Wörter zu einem bestimmten Wortfeld aufschreiben. 

2. Jedes Schulbuchkapitel beschäftigt sich mit einem bestimmten Thema, z.B. Ferien, Schule, Familie… Dieses Wort schreibt dein Kind bei dieser Birkenbihl Methode  in die Mitte und überlegt sich dann Wörter zu den einzelnen Buchstaben. Das darf bunt werden und macht Spaß! 

3. Ähnlich funktioniert ein WORD WEB. Hier ist dein Kind aber nicht so “eingeschränkt”, was die Buchstaben betrifft. Beim Wordweb wird einfach frei assoziiert. 

4. Bereits gelernte Gegenteile oder Synonyme zu den neuen Wörtern finden. 

5. Häufig sind verwandte Wörter ähnlich und haben den gleichen Wortstamm. Diesen Zusammenhang kann dein Kind bewusst herstellen und so das neue Wort nachhaltiger abspeichern. z.B. das Verb “to sing” lässt sich mit den Substantiven “a song” und “a singer” verbinden. 

6. Viele Verben sind “ähnlich gestrickt” und werden entsprechend ähnlich gebildet.
Lass dein Kind Ähnlichkeiten finden – z.B. buy – bought – bought is like think – thought – thought.
Im Französischen gibt es Verben auf -er oder -re. Lass dein Kind eine Liste anfertigen und die Unterschiede bewusst verstehen.

7. Die Karteikarten, mit den schwierigen Wörtern vom Anstieg regelmäßig wiederholen. Es ist einfach großartig zu sehen, wie das Wissen im Langzeitgedächtnis sichtbar wird! So funktioniert’s!

Verpasse keine Lernhacks mehr! 

Vokabeln abfragen

Sehr oft fordern Kinder das “Abfragen” ein.

Das ist ja grundsätzlich auch schön, weil es Sicherheit gibt.

Lass dich aber nur darauf ein, wenn dein Kind die Vokabeln auch gelernt hat und sie kann!

Es macht keinen Sinn, wenn du die Vokabeln so oft vorliest, bis dein Kind sie im Kopf hat.  

Du tust deinem Kind damit wirklich keinen Gefallen.

Wenn du möchtest, dass dein Kind schon bald selbstständig lernen kann, hat sich folgende Vorgehensweise bewährt. 

Tipps zum Vokabeln abfragen

1. Frage dein Kind, wie gut es die neuen Wörter nun beherrscht. Mit dieser Frage förderst du ganz nebenbei die Selbsteinschätzung deines Kindes.

2. Frage nach, mit welchen Methoden sich dein Kind die Wörter eingeprägt hat. Zu wissen, wie man selbst lernt ist eine wichtige Kompetenz und hängt direkt mit dem Lernerfolg zusammen. 

3. Stelle Fragen nach Gegenteilen, Wortfeldern, Wortfamilien, Kontext, in dem das Wort im Schulbuch vorkam. 

4. Stadt-Land-Fluss mit Adjektiv – Verb – Substantiv spielen. Macht Spaß – ist natürlich etwas zeitaufwändig und fragt nicht den aktuellen Stoff ab. Trotzdem lustig. 

5. Wenn es sich anbietet – z.B. im Erstunterricht bei den Begriffen zum Federmäppcheninhalt – halte den Bleistift hoch und warte auf “pencil”. 

6. Wenn du merkst, dass ein Wort so gar nicht sitzt: sorge dafür, dass es in den Karteikasten kommt. 

7. Stelle mehr W-Fragen als selbst Antworten zu geben. Frage “Wie kannst du dir das merken?” – “Welche Eselsbrücke fällt dir dazu ein?” – “In welcher Situation kannst du dieses Wort gebrauchen?” usw. 

Übst du auch mit deinem Kind? Lass mich unten in den Kommentaren wissen, welche Strategien du mit deinem Kind bereits eingeübt hast und ob es Schwierigkeiten damit gab!

Viel Spaß und lass los,

Nicole


About Admin

Mutmacherin, lernfex und Coach - ganz ohne Blabla und Räucherstäbchen.


Leave a Reply

Required fields are marked*

Kommentare werden durch WP-SpamShield für Wordpress geschützt