Smartphone und Spielekonsole: Lösung in Sicht?

Hängen dir die Diskussionen rund um “Medienzeitbeschränkung” und  “Alle anderen dürfen auch…” inzwischen auch zum Hals raus?

Kein Wunder.  Ich kenne keine Familie, in der das HANDY nicht in irgendeiner Form ein Thema ist. Meine eingeschlossen. 

97% der Mädchen zwischen 12 und 19 Jahren besitzen ein eigenes Smartphone, bei den Jungs sind es 4% weniger. Gekauft oder “weitervererbt” haben es in der Regel die eigenen Eltern. Hm. 

Im Schnitt hängen 12-jährige über 2 Stunden täglich im Internet. 16-19jährige bringen es auf fast 4 Stunden. 

(Diese Angaben haben die Kinder und Jugendliche bei einer Befragung im Rahmen der JIM-Studie 2018 übrigens selbst angegeben). 

Entwarnung: Nicht alles ist gleich Handy-Sucht sein?

Die meisten befragten Kinder und Jugendlichen zwischen 8 bis 14 Jahren können auch längere Zeit ohne Smartphone auskommen.

Etwa 21% lieben ihr Handy jedoch etwas zu sehr und zeigen eine starke Bindung zu ihrem Smartphone. Sie denken ständig an ihr Mobiltelefon, checken Nachrichten oder nutzen es, wenn ihnen langweilig ist.

Gute Nachricht: Nur 8 % können als suchtgefährdet bezeichnet werden.

Selbsterkenntnis: der erste Weg zur Veränderung

Die EU-Initiative klicksafe.de bietet eine Checkliste, die dir erste Anhaltspunkte geben kann, ob dein Kind gefährdet ist. Wenn drei oder mehr Merkmale zutreffen, solltest du reagieren und gegebenenfalls professionelle Hilfe suchen.

Außerdem gibt es viele hilfreiche Apps, die deinem Kind helfen einen ehrlichen Blick auf seine Mediennutzung zu werfen: 

Bill Gates und Steve Jobs hielten ihre Kinder ziemlich fern von Social Media und Smartphone

Bill Gates’ Kinder erhielten ihr erstes Handy mit 14 Jahren, in Steve Jobs’ Haus gab es kein iPad. Zumindest nicht für seine Kinder. 

Diese restriktive Haltung sei gerade der Erziehungstrend im Silicon Valley erzählt Chris Anderson, CEO von 3D Robotics. 3/4 der Eltern, die ihre Kinder in der Waldorfschool of the Peninsula  (waldorfpeninsula.org) unterrichten lassen – arbeiten bei Tech-Firmen im Silicon Valley.

Hightech? Fehlanzeige. 

“My kids accuse me and my wife of being fascists and overly concerned about tech, and they say that none of their friends have the same rules…  That’s because we have seen the dangers of technology firsthand. I’ve seen it in myself, I don’t want to see that happen to my kids.”

Klar, dass die Entwickler aus dem Silicon Valley ihre Kinder sehr langsam an die schöne Internetwelt heranführen. Sie wissen, was sie programmiert haben und kennen die Abhängigkeiten.

Unter 18jährige entsperren 98 Mal am Tag ihr Handy.

Es könnte ja eine wichtige Nachricht im Klassenchat reingekommen sein. Oder jemand hat eine Frage. Oder die Hausi. Oder eben nicht. 

Egal, ob diese Art der Kommunikation für dich ein sinnvoller oder notwendiger Austausch ist – für dein Kind ist das völlig normal. Je nach Mitteilungsbedürfnis können da schon zwischen 50 bis 300 Nachrichten oder Clips zusammenkommen. Pro Tag. Bis spät in die Nacht. Je nach Alter nicht unproblematisch. 

Medienexperten sind sich einig, dass ein Kind frühestens (!) mit 12 Jahren (das ist in der Regel in der 7. Klasse!) ein eigenes Smartphone besitzen sollte.

Und selbst in diesem Alter sind Kinder nicht in der Lage, ihren Medienkonsum selbstverantwortlich zu steuern. 

Blöderweise fällt das Ganze aber zeitlich mit der beginnenden Pubertät zusammen. Das ist die Zeit, wenn Eltern ohnehin schwierig werden. 

Medien-Manieren lernen:

Schlecht machen und Gardinenpredigten helfen nichts. Das Internet gehört zur Lebenswelt deines Kindes ebenso dazu, wie zu deiner. 

Wenn der Familienfrieden gefährdet ist aber ein gemeinsam (!) vereinbarter Rahmen wichtig.

Überlegt euch gemeinsam, ob und wenn ja welche Regeln die aktuelle Situation erfordert. Hier helfen keine Regeln von der Stange, denn es hängt stark davon ab, was dir und euch in Bezug auf Mediennutzung, Familienleben und Kommunikation wichtig ist.

Statt vieler Regeln und Verbote ist ein bewusster Umgang mit den Neuen Medien wichtig. 

Medien-Bewusstsein = Wissen + Tun

Wieso springt das Gehirn eigentlich so auf Handy + Co an? 

Das Gehirn reagiert auf Bewegung. Das ist noch unser Säbelzahntiger-Erbe.

Da war es überlebenswichtig, jede noch so kleine Bewegung im Gebüsch zu registrieren. 

Heute pushen sich Textnachrichten, Reminder und Vibrationsalarme in unser Bewusstsein und binden für einen Moment unsere Aufmerksamkeit. 

Das ist dann ein Problem, wenn du vorher konzentriert an etwas gearbeitet hast. Es dauert bis zu 15 Minuten, um wieder in denselbst konzentrierten Zustand zu kommen. 

Apps und Spiele aktivieren dein Belohnungszentrum

Es wird aktiviert, wenn du eine Nachricht auf Facebook schreibst, die von anderen geliked oder gar weitergeleitet wird.

Daumen hoch, Gelesen-Häkchen, Smileys und Herzchen sind wirksame visuelle Anker, die jedes Mal einen kleinen „Glücksflash“ auslösen. 

Soziale Netzwerke und Spiele sind perfekt, um uns bei der Stange zu halten. Dein Gehirn schüttet Dopamin aus, wenn du ein neues Level in einem neuen Spiel erreichst.

Es gibt ein gutes Gefühl. Und das willst du wieder haben. Dein Kind auch. 

Vereinbart Medien-Manieren

  • Definiert medienfreie Zonen und medienfreie Zeiten, Ideen gibt es auch hier beim Internet-Abc-Für Eltern.
  • Findet eine Antwort auf die Fragen: Handy im Schlafzimmer? Bei den Hausaufgaben? In der Hosentasche? Flatrate oder W-Lan?
  • Wie geht ihr mit Phubbing um? Einen schönen Beitrag hat Michael Tomoff auf seinem Blog hierzu geschrieben – lohnt sich zu lesen!

Verständigt euch auf einen Rahmen

  • Wann sollen Handy und Co Tabu sein?  Mal eben schnell googeln: Erlaubt oder nicht?
  • Vereinbart, wie ihr mit privaten Fotos umgeht. Ebensowenig wie du willst, dass ein privates Foto von dir im Bademantel im Klassenchat landet, geht es deinem Kind vielleicht mit den süßen Kinderfotos, die du an deine Facebookfreunde verteilst.
  • Überlegt, welche coolen Apps und Angebote es jenseits von Insta, Facebook und Youtube gibt –zum Beispiel hier
  • Erkläre deinem Kind wie und warum der Coache ab und an gelehrt werden sollte und was Algorithmen sind
  • Informiere dich darüber, wie ein Handy kindersicher gemacht werden kann
  • Sprecht darüber, wie dein Kind auf Sexting, Cybergrooming, Cybermobbing, Kettenbriefe mit rechtsradikalen Inhalten usw. reagieren kann und soll)
  • Installiere je nach Alter deines Kindes kindersichere Suchmaschinen oder die Youtube App für Kids, hier für Android  Gibt es auch im Applestore.

 

Bleibt im Gespräch und im Kontakt. Auch offline. 

So und jetzt: Handy aus und raus!

 

Zum Weiterlesen: 

Studie: Kinder werden zu früh an Medien herangeführt. FAZ, 2006. Abgerufen 05.12.2018. 

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/fernsehkonsum-studie-kinder-werden-zu-frueh-an-medien-herangefuehrt-1330024.html

Medienpädagogischer Forschungsverbund Süd-West: JIM-Studie 2018: 

https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2018/Studie/JIM_2018_Gesamt.pdf

Mediatisierung Mobil

Technology can wait: Artikel in der NY Times über Gates und Jobs 

https://www.nytimes.com/2011/10/23/technology/at-waldorf-school-in-silicon-valley-technology-can-wait.html?_r=1&pagewanted=all%3Fsrc%3Dtp&smid=fb-share


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