Vom diffusen Bauchgefühl zu Klarheit

Für Schüler, Azubis und Studierende die gerade kein Land sehen

Es gibt immer mal Zeiten, in denen es nicht ganz rund mit dem Lernen läuft. Du kannst dich nicht motivieren, bist unzufrieden oder fühlst dich überfordert. Das Problem ist nur, du weißt nicht, woran es konkret liegt. Es ist eben nur so ein Gefühl. 

Wichtig ist jetzt, dass du dich nicht mit diesem “grauen Schleier” arrangierst.

Schenke deinem Bauchgefühl die notwendige Beachtung und finde stattdessen mit den folgenden 5 Fragen heraus, was die Ursache für deinen Durchhänger ist. 

Dein Körper spricht eine deutliche Sprache – du musst nur hinhören. 

Wenn dir etwas Stress bereitet, spürst du das in der Regel in deinem Körper. Es kann sein, dass sich dein Bauch “meldet” und plötzlich zusammenzieht. Vielleicht merkst du aber auch, dass sich deine Schultern beim Gedanken an eine bestimmte Situation verspannt anfühlen. 

Diese somatischen Marker machen das, was dich stresst spürbar. Achte also auf deinen Körper, während du die folgenden Fragen beantwortest. 

Denn dein Körper macht das diffuse Gefühl konkret und greifbar. Was greifbar ist, lässt sich verändern. 

Stelle dir nacheinander folgende Fragen

1. Lähmt dich etwas in deiner unmittelbaren Lernumgebung? Stelle dir den Ort, an dem du normalerweise lernst, vor. Meldet sich dein Körper bei einem bestimmten Bild?

Wenn du deine Uni / Schule / Ausbildungsstätte vor deinem inneren Auge erscheinen lässt – was gibt dir ein seltsames Gefühl? Nimm auch deinen Arbeitsplatz oder den Ort, an dem du normalerweise lernst, in den Blick. Gibt es Stellen, die du lieber vermeidest? 

Gibt es Stellen, die zugemüllt sind und dich unbewusst stressen oder ablenken? 

Wenn ja, dann ist genau das die Stelle, die du verändern kannst. 

2. Gibt es ein Lernthema oder ein Fach, das dich beunruhigt? Gehe deine Aufzeichnungen / Mitschriften / Hefte durch

Wie übersichtlich und komplett sind sie? Welches „Bauchgefühl“ macht sich breit, wenn du sie durchblätterst? Gibt es themenbezogene Unterschiede oder Gemeinsamkeiten?
Sind zum Beispiel die Mitschriften in dem einen Fach übersichtlicher oder vollständiger als in dem anderen? 

Versuche das Große und Ganze zu sehen, wenn du deine Unterlagen diesem Generalcheck unterziehst: Wo findest du Gemeinsamkeiten, was ist ähnlich, wo sticht etwas besonders heraus? 

Sind deine Notizen so aufbereitet, dass du sie später als Grundlage für deine Prüfungsvorbereitung benutzen kannst? 

Gibt es ein Thema, von dem du so gar keine Ahnung (mehr) hast? 

Gerade, wenn du schon eine Prüfung in diesem Bereich versemmelt hast, lohnt es sich da näher hinzusehen… Wie müssten deine Unterlagen für diesen Bereich sein, damit du dich mit dem Thema leichter anfreunden könnntest? 

Was könntest du tun, um aus deinen Mitschriften einen größeren Nutzen zu ziehen? Wie kannst du bestehende Lücken füllen?

3. Nimm dir deinen Kalender vor oder – wenn du damit arbeitest –  deinen Lernplan. 

Wie voll ist dein Kalender? Wie verplant sind deine Tage mit festen Terminen?
Gibt es Termine, die negative somatische Anker aktivieren? 

Ich habe lange auf sogenannte Zeitmanagement-Experten gehört und versucht alle meine To-Do’s mit der Eisenhower-Methode zu kategorisieren. Der Effekt war, dass ich mich so verplant gefühlt habe, dass ich überhaupt keine Lust hatte, die To-Do-Listen abzuarbeiten. Vielleicht ist es bei dir ja ähnlich, und du brauchst eine flexiblere Lern- und Zeitplanung, um dich damit wohlfühlen? 

4. Welche Menschen rauben dir deine Motivation?

Du kennst das. In der Nähe mancher Menschen blühst du regelrecht auf, sprudelst vor Ideen und Energie.
Aber es gibt auch Menschen, die einen gegenteiligen Effekt haben. Du fühlst dich in ihrer Nähe klein,  unsichtbar oder hast das Bedürfnis ständig dagegen reden zu wollen.

Gehe im Geist die Personen durch, mit denen du im Lernkontext zu tun hast. Wer geht dir auf die Nerven? Welche Lehrer oder Dozenten lösen ein ungutes Gefühl in dir aus? Gibt es Menschen, mit denen es etwas zu klären gibt? Was könnte das sein? 

Gibt es etwas im Verhältnis oder in deiner Einstellung zu ihnen, das du ändern kannst? 

Notiere dir den Namen der Person    und überlege dir, was dir zu einem entspannteren Umgang mit dieser Personen verhelfen könnte.  

Vielleicht brauchst du nur eine “Teflonschicht”, damit du negative Energie und blöde Sprüche an dir abperlen lassen kannst. Oder du willst ganz im Gegenteil deinen Standpunkt klar machen und die Situation offen ansprechen. 

5. Schau dir diese Liste mit Schlüsselwörtern zum Thema Lernen an.

Wenn du sie liest – hast du bei dem einen oder anderen Begriff negative oder gemischte Gefühle? Was sagt dir dein Körper? Gibt es noch weitere Begriffe, auf die du stark reagierst?

MOOC / mebis / Moodle 

Nachbereitung des Unterrichts

Seminararbeit

Abitur

Semesterabschlussprüfung

Feedback

Benotung, Noten

Bibliothek

Seminar

Lerngruppe

Vorlesung

Skript

Hausaufgabe

lernen

Studienhöchstdauer

Zulassungsbeschränkung / Numerus Clausus

Hat der eine oder andere Begriff einen (negativen) somatischen Marker in dir ausgelöst, solltest du genauer hinsehen. Denn möglicherweise verweist dieses “ungute” Gefühl auf einen Bereich, in dem du dich weiterentwickeln kannst. Wenn ja – los!

Warte nicht damit, bis sich ein diffuses Gefühl verselbständigt und ein echter Stolperstein wird. 

Veränderung ist möglich! Starte mit dem ersten Schritt. 

Mache dir einen Plan, in dem du für jede der oben gestellten Fragen, das für dich Wichtigste identifizierst und auch den ersten Schritt in Richtung Veränderung definierst. 

Überlege dir auch immer, was schon gut läuft und was du deshalb genau so weiter machen willst. 

Hier findest du eine Vorlage zur Reflexion zum Download. Einfach klicken und ausfüllen. Die Idee für die Vorlage stammt von Jennifer Gonzales, die eine ähnliche Vorlage für Lehrkräfte entwickelt hat und  für Lehrer bloggt. 

Letzter Schritt:

 Rede über deine Pläne – auch über mögliche Stolpersteine und Ereignisse, die dich an der Umsetzung deines Vorhabens hindern könnten. Dir fällt bestimmt – evt. gemeinsam mit einer Person deines Vertrauens –  eine Strategie ein, die greift, wenn du dein Vorhaben nicht umsetzt. 

Du merkst sicher ganz schnell, ob diese Art der Selbstreflexion ausreicht, um wieder mit mehr Motivation und Lust ans Lernen zu gehen.

Falls nicht, melde dich. Höre aber in jedem Fall auf deinen Bauch!

Nicole


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Mutmacherin, lernfex und Coach - ganz ohne Blabla und Räucherstäbchen.


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