Besser Mitschreiben und Notizen machen – so klappt es

Sinnlose Schnörkel, schattierte Kästchen und aneinandergereihte Buchstaben — Kritzeleien, die während Vorträgen, im Unterricht oder beim Telefonieren entstehen sind häufig belanglos und wandern irgendwann in den nächsten Papierkorb.

 

 

 

 

Krikel-Krakel ist schön und gut. Das Kritzeln unterstützt uns dabei, aufmerksam zu bleiben. Mit Lernen und Wissensverarbeitung hat es aber nix zu tun. Hier ist das Anfertigen von Notizen und Mitschriften eindeutig im Vorteil. 

Mitschreiben  ist besser als Zuhören.

Wenn du in einer Vortragssituation mitschreibst, bist du schon mitten drin im Lernen. Die Voraussetzung ist allerdings, dass du nicht versuchst, jedes Wort eins zu eins mitzuschreiben.

Das ist eh vergebene Liebesmüh’, denn deine Schreibgeschwindigkeit ist etwa 0,2 – 0,3 Wörter pro Sekunde während selbst ein langsamer Sprecher im Schnitt 2 Wörter pro Sekunde sagt. 

Du wirst also immer hinterherhinken, wenn du versuchst das Gesprochene 1:1 mitzuschreiben. In der Folge gerätst du unter Druck und kannst dem was eigentlich gesagt wird, gar nicht mehr inhaltlich folgen.

Gut strukturierte Notizen sind die beste Prüfungsvorbereitung

Das ist aber eine echte Herausforderung und kognitive Leistung. Manche Experten sagen, es dauert Jahre, bis jemand während eines Vortrags gut strukturierte und letztlich brauchbare Notizen anfertigen kann. 

Viele meiner Coachées haben in ihren Vorlesungen und Seminaren hunderte Seiten mit Mitschriften, Skripten oder Exzerpten angesammelt, die sie nun für die Prüfung lernen müssen. 

Die Strategie ist dann häufig “So oft lesen, bis ich es kann…!” – langweilig, dauert ewig und vor allem bringt das am wenigsten für die Prüfung.

Besser ist es schon, wenn du Wichtiges hervorhebst und noch effektiver, wenn du einzelne Abschnitte in einem Wort oder mit einem Satz zusammen fasst.

Das ist deshalb so effektiv, weil es beim Lernen und Erinnern an Gelerntes auf die Verarbeitungstiefe ankommt. Deep Approach statt nur an der Oberfläche herumkratzen. Auf gut Deutsch: Wie viel Hirnschmalz war aktiv? Je mehr, desto besser.

Das Zusammenfassen einzelner Abschnitte in einem Schlüsselbegriff oder einem Satz ähnelt der Lesestrategie die vor allem für schwierige Texte oder Bücher super geeignet ist. 

So machst du lineare Mitschriften gehirnfreundlicher

Es ist immer eine Herausforderung leibgewonnene Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen. Sie sind dir vertraut, du bist sie gewohnt und sie passen wie ein gefilzter Hausschuh.

Aber „Isso – weil schon immer so“ überzeugt mich nicht. Schau‘ dir deine Mitschriften kritisch an und frage dich, was du ergänzen, hervorheben oder ändern könntest, damit sie mehr Struktur bekommen, weniger textlastig werden. Wo kannst du etwas zusammen fassen?

Eine gegliederte Struktur mit Spiegelstrichen, Nummerierungen und Trennlinien ist schon besser, weil 1. übersichtlicher und 2. nicht mehr wortwörtlich.

Denn hierfür musstest du schon deinen Fließtext in etwas Kürzeres “übersetzen” und umcodieren. Und damit verändert sich nicht nur die Struktur deiner Mitschrift sondern auch die Struktur deines Gehirns, Yay! Neuroplastizität sei Dank.

Vielleicht hast du es bisher immer anders gemacht. Das ist ja nicht schlimm. Und wenn du es beibehalten willst, dann weißt du wenigstens, dass du das Ganze NOCH öfter lesen und wiederholen musst, weil eine lineare Struktur nun einmal die geringste Verarbeitungstiefe hat, und damit leider auch den am wenigsten nachhaltigen Lerneffekt.

Gute Notizen brauchen Lücken.

Am allerbesten funktioniert eine matrixartige Struktur, in der Schlüsselbegriffe netzartig über das Blatt verteilt sind.

Dass diese Art der Strukturierung besonders wirksam ist, liegt am Generierungseffekt -und dem Platz zwischen den Schlüsselbegriffen. 

Denn die fehlenden Details und die auf den ersten Blick nicht sichtbar formulierten Zusammenhänge zwischen den notieren Schlüsselbegriffen, müssen erst aktiv „erdacht“ werden.

Anstrengend? Nein. Aktiv. Und nur so funktioniert Lernen. 

Das viele Weiß zwischen den Begriffen, zwingt dich dazu dein Vorwissen zu aktivieren und vorhandenes mit neuem Wissen zu verbinden.

Klasse, denn da steckt nun wirklich viel Denken und Verarbeitungstiefe drin. Und genau das brauchst du, wenn du dich auch morgen noch an das Gelernte erinnern willst.

Denn je tiefer du schon beim Lernen in die Tiefen deines semantischen Netzwerks und neuronale Strukturen deines Gehirns vorgedrungen bist, desto leichter erinnerst du ich auch in einer stressigen Prüfungssituation und unter Leistungsdruck an die relevanten Fakten und Zusammenhänge. Und das ist es ja, was du bei Examen und Co. brauchst. 

Eine Mappingstruktur macht sichtbar, wie du dein Wissen abgespeichert hast

Wenn du im Clustern und Mapping geübt bist, kannst du schon während eines Vortrages so eine netzartige Mitschrift anlegen. Dafür ist aber schon etwas Übung notwendig. Häufig ist es aber das Mittel der Wahl, wenn du deine eher linearen Mitschriften überarbeitest.

Anstatt sie einfach nochmals und nochmals abzuschreiben und mit einer gekürzten linearen Version weiter zu lernen, identifiziere die für dich relevanten Schlüsselbegriffe und trau dich! 

Vielleicht macht dir das viele Weiß und die Reduktion auf das Wesentliche aber auch noch etwas Angst. Macht nichts – geh kleine Schritte.

Notizen sind etwas völlig Individuelles. Deshalb kann man auch so schlecht mit fremden Skripten lernen. Du musst dich mit der Art und Weise, wie du sie erstellst wohlfühlen.

Trotzdem gilt aber – Zusammenfassen, Sortieren und Kombinieren ist für das Lernen und Erinnern wirksamer als das reine Lesen und Markieren. 

7 Tipps für Notizen und Exzerpte, die dir beim Lernen und in Prüfungssituationen wirklich helfen

Unser Gehirn liebt Bilder. 

  1. Überlege dir ein Set an Abkürzungen, die du immer wieder verwendest. Es ist wichtig, dass du dir nicht jedes Mal Gedanken machen musst, wie du ein Wort oder einen Begriff abkürzen willst – denn das zieht schon wieder Aufmerksamkeit ab.
  2. Denke dir Symbole aus, mit denen du ohne Worte einen Sachverhalt ausdrücken kannst. Pfeile sind hier ein guter Ansatzpunkt. Und wenn du denkst, du bist hierfür zu unkreativ, dann schau doch mal in die Emojis in deinem Handy. Da finden sich jede Menge Anregungen…
  3. Benutze Trennlinien oder Separatoren, die auf einen Blick zeigen, dass nun ein neuer Aspekt beginnt.
  4. Hebe hervor! Kästchen, Kreise, Unterstreichungen und Hervorhebungen helfen dabei, auf einen Blick Überschriften oder zentrale Gedankengänge zu erkennen.
  5. Lass’ genügend Platz in deinen Mitschriften! Erstens ist es übersichtlicher. Und zweitens brauchen Ergänzungen, Kommentare, zusammenfassende Gedanken und Aha-Erlebnisse beim Lernen Platz.
    Es ist also keine Platzverschwendung sondern echter Lernraum, wenn du nicht jeden Quadratzentimeter in deinen Aufzeichnungen vollkritzelst. Apropos… unter Umständen brauchst du ja auch Platz für aufmerksamkeitserhaltendes Kästchenmalen.
  6. Auch wenn du denkst, dass du nicht gut malen kannst, — für einfache Strichmännchen um einen Zusammenhang visuell darzustellen reicht es allemal! Eine kleine Skizze kann einen komplexen Sachverhalt auf einen Blick darstellen. Wenn du das Ganze beschreiben willst, hast du wieder jede Menge Fließtext.
  7. Nutze ein Raster, das deine Notizen schon vorstrukturiert. Die Cornell-Methode ist hier ein gutes Beispiel.

Egal wofür du dich entscheidest: Sinnvolle Notizen anzufertigen ist ein Lernprozess.

Und Lernen geht nur aktiv. Fang an. Und sei mal neugierig, wie sich deine Mitschriften und dein Lernen verändern. Es braucht nicht perfekt für jemanden anders sein. Aber perfekt für dich.

Hab Spaß dabei.

Nicole.

PS: Wie machst du deine Notizen? Schreib’s einfach unten in den Kommentar rein!

 

 


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Mutmacherin, lernfex und Coach - ganz ohne Blabla und Räucherstäbchen.


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