Mindfulness und Entspannungsinseln im Unterricht für dich und deine Schüler

Unterricht

Jeder Lehrer weiß, dass Zeitdruck und Stress ein schlechter Lehr- und Lernbegleiter ist.

Denn wenn du Zeitdruck hast, machst du unwillkürlich Druck, erklärst schneller, die Schüler müssen schneller arbeiten.

In der Folge bleibt mehr unklar, die Schüler fragen mehr nach (bei dir oder beim Nachbarn), es entsteht Unruhe, der Geräuschpegel steigt. Dein Stresspegel steigt auch, denn du kommst nicht vorwärts.  

Ein Teufelskreis, der entspanntes Lernen und Unterrichten unmöglich macht. 

Nicht nur dir, auch den Schülern würde eine kleine Auszeit gut tun, etwas Entspannung, aber in der Klasse ist es unruhig, dir rennt schon wieder die Zeit davon und der Stoff / der nächste Test, der Notenschluss, das Arbeitsblatt, die Pausenaufsicht, … irgendwas sitzt dir immer im Nacken. 

Erkennst du dich wieder?

Dann lies weiter – denn ich habe 6 einfach umzusetzende Ideen zusammen gestellt, mit denen du ein bisschen Zeit investierst, um Unterrichtszeit zurückzugewinnen.

6 Ideen für Mini-Auszeiten, mit denen du Unterrichtszeit zurückgewinnst

1. Nutze Vertretungsstunden mal etwas anders

Ich nutze Vertretungsstunden gerne, um den Schüler.innen (aber auch mir! Soviel Selbstfürsorge darf schon sein) eine Bewegungspause an der frischen Luft zu ermöglichen. Aber auch im „ganz normalen Unterricht“ zieht es mich ab und zu nach draußen.

Da Lernen in Bewegung wegen der gesteigerten Sauerstoffversorgung zu besseren Behaltensleistungen führt, lasse ich die Klasse 10 bis 15  Minuten in Stillarbeit intensiv Power-Lernen oder etwas wiederholen. 

Danach begeben sie sich zu zweit auf einen Lern-Spaziergang im Pausenhof. Während dieser Zeit erklären sie sich gegenseitig den gelernten und wiederholten Stoff. 

Wenn die Schüler an so viel Freiheit noch nicht gewöhnt sind und du Angst hast, dass sie über die Bundesligaergebnisse oder den aktuellen Insta-Influencer sprechen, kannst du das Ganze in das Format „Partnerinterview“ mit konkreten Fragen packen.

Dann ist ein Abschweifen immer noch möglich – aber was im Leben lässt sich schon kontrollieren?

Eben. Nix.

2. Stimmung aufnehmen anstatt dagegen zu kämpfen

Du kennst das vielleicht: du kommst motiviert und beschwingt in eine Klasse und merkst sofort, dass die Energie im Raum alles andere als energiegeladen ist. 

Dagegen anzukämpfen und den Animateur zu mimen, kostet unglaublich Energie und Zeit.

Viel wirksamer und entspannter für dich ist es, sie langsam aus ihrem lethargischen Zustand zu führen.

Das gelingt dann besonders gut, wenn du erst einmal die Stimmung aufnimmst, in der sie sich befinden. Nimm es nicht persönlich, wenn deine Schüler nicht genauso euophorisch sind wie du.

Auch Schüler haben Sorgen und manchmal so viel im Gepäck, dass Lernen wirklich zweitrangig ist. Uns mal ehrlich – hast du dir schon mal den Schulalltag eines Schülers vor Augen geführt? Sie haben 6 Stunden – manchmal mehr – hintereinander. Alle 45 Minuten kommt ein Lehrer hereingeschneit, der absolute Aufmerksameit und aktive Mitarbeit fordert – das ist einfach anstrengend und lernpsychologisch auch ein rechter Käse. Das Gehirn braucht ja – das wissen wir Lehrer eigentlich – immer wieder Pausen, um neue Informationen zu vernetzen und zu verarbeiten.

3. Reduziere deine Redezeit

Lehrer reden viel zu viel und deutlich mehr als sie denken. Lass deine Schüler mehr reden, nutze Unterrichtsmethoden, die dir erlauben mehr zu beobachten als zu agieren.

4. Gib dem Schülerhirn eine Pause zum Denken mit Think-Pair-Share

Schüler.innen sind oft vor allem damit beschäftigt, Tafelanschriebe anzupinseln, Notizen anzufertigen, oder dem Unterrichtsgespräch zu folgen. Mit dieser kleinen und doch so wirksamen Methode, schaffst du eine echte Möglichkeit schon im Unterricht zu lernen. Und es dauert nur 180 Sekunden (natürlich abhängig vom Thema, wenn du 5 Minuten investierst, schadet das auch nicht. Im Gegenteil. Je länger, desto besser!)

THINK
Gib deinen Schülern nach einer intensiven Arbeitsphase eine Minute Zeit, um das Neue für sich zu integrieren. Die einfache Frage: Was war bisher wichtig / neu für dich? Wie hängt das Neue mit X zusammen? setzt wichtige Verarbeitungsprozesse in Gang.

PAIR
Lass deine Schüler sich darüber austauschen und Fragen formulieren, was noch unklar ist.

SHARE
Lasse einige Schüler zu Wort kommen und ihre „Key Takeaways“ mit der Klasse teilen.Auch die Frage: Was ist noch unklar? ist hilfreich, um noch wichtige Lücken zu schließen.

5. Entspannung: Beame deine Schüler an ihren Wohlfühlort

Diese Übung eignet sich gut, wenn der Stresslevel hoch ist – in Klausurzeiträumen oder nach einem anstrengenden Schultag. Sie versetzt die Schülerinnen in einen lernbereiten Zustand und dauert höchstens 5 Minuten. Diese Zeit ist gut investiert, da sie danach konzentrierter und aufmerksamer sein werden.

Die Übung ist eine Einladung in Gedanken an  einen Ort zu reisen, den die Schüler.innen mit positiven Erinnerungen verknüpfen und an dem sie sich entspannt / glücklich / motiviert (je nachdem, was sie brauchen) fühlten. 

Keine Angst, du brauchst keine Phantasiereise anzuleiten, – das hier funktioniert ohne OOOM und Räucherstäbchen. Es geht viel einfacher und ist genauso effektiv.

Gib den Schülern einfach kurz Zeit, diesen Ort vor ihrem inneren Auge entstehen zu lassen und ihn sich möglichst bunt und in Farbe vorzustellen. 60 Sekunden reichen dafür schon.

Bitte sie, sich anschließend gegenseitig zu interviewen. Partner A stellt seinem Nachbarn die folgenden Fragen.

Damit auch jeder gleich lange in seinen Wohlfühlort eintauchen kann, signalisierst du den Wechsel – ich mache das mit meiner Klangschale. 

Tipp: Nutze die zweite Gesprächsrunde für dich selbst, um dich an deinen Wohlfühlort zu begeben. 


Voilà! Das waren einige Beispiele, die für Entspannungsinseln und Wohlfühlmomente  im Unterricht sorgen und dir und deinen Schülern gut tun werden. Mich erinnern sie auch in stressigen Momenten daran, dass Lernen und Lehren Freude machen darf und muss. 

Wie sorgst du für Entspannung im stressigen Schulalltag? Schreibe es in die Kommentare – ich bin sehr gespannt!

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Nicole


About Admin

Mutmacherin, lernfex und Coach - ganz ohne Blabla und Räucherstäbchen.


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