Raus aus der Schublade!

Lerntypen

Raus aus der Schublade!

Ziemlich hartnäckig hält sich die Legende von den unterschiedlichen Lerntypen.

Damit verbunden ist natürlich die Hoffnung, dass – wenn du nur weißt, welcher Lerntyp du oder dein Kind bist – das Lernen so viel einfacher funktioniert.

Viele Nachhilfeinstitute – und leider auch immer noch viele Pädagogen – stecken Kinder und Jugendliche in die Lerntypenschublade und investieren Kraft und Energie, Lerninhalte „lerntypengerecht“ zu verpacken.

Frederic Vesters Lerntypen-Konstrukt aus dem Jahr 1975 konnte in keinem lernpsychologischen Experiment, das wissenschaftlichen Standards genügt, bestätigt werden.

Auch John Hattie, Autor der Megastudie über lernwirksamen Unterricht „Visible Learning“, konnte nur feststellen: Das Ausrichten des Unterrichts auf unterschiedliche Lerntypen zeigt keinen statistisch messbaren Effekt auf die Lernleistung.

Spare dir also das Geld für Lerntypentraining zur Optimierung deines Lernerfolgs.

Unser Gehirn denkt nicht in Schubladen

Unser Gehirn ist ein komplexes Netzwerk, in dem durch das Eintreffen eines Reizes gleichzeitig verschiedene Areale aktiviert werden. Je breiter und robuster diese Aktivierung erfolgt, desto leichter kannst du dir Gelerntes merken.

Das neuronale Netzwerk in unserem Gehirn baut sich nach dem Prinzip: Use it, or lose it! ständig um und organisiert sich neu. Was nicht benutzt oder gebraucht wird, liegt erst brach und wird dann aussortiert.

So sammelt sich kein Krempel an und blockiert die schnelle Informationsweitergabe.

Vielleicht sagst auch du von dir: Ich bin aber wirklich ein auditiver Lerntyp. Wenn ich mir Vokabeln nicht laut vorspreche, kann ich sie mir nicht merken.

Das ist erstens ein wunderschöner Glaubenssatz, der wie eine sich selbst erfüllende Prophezeihung wirkt.

Und zweitens eine tolle Entschuldigung.

Ist der Unterricht so ganz anders als es dein „Lerntyp“ verlangt, kannst du ja schließlich nichts dafür, dass du hier keine guten Leistungen zeigen kannst.

Auch wenn du dich für einen auditiven Lerntypen halten solltest – Das Gehirn kann sich Bilder am besten merken. Deshalb sind visuelle Lernstrategien auch so erfolgreich.

Lasse dich also nicht länger auf einen Lerntypen festlegen, sondern benutze alle drei Lernkanäle, um erfolgreich und mit Spaß zu lernen.

Hier sind ein paar wirksame Lerntipps, die verschiedenen Lernkanäle gemeinsam zu nutzen.

  • Fertige mindmaps von einem Text, den du gelesen und gelernt hast, an. Nutze Farben und Symbole, um das Wichtige auf einen Punkt zu bringen.
  • Fasse das Gelernte in einem Satz zusammen. Worum geht es bei dem Text / dem Themengebiet?
  • Frage dich nach jedem gelesenen Abschnitt eines Textes, worum es geht. Finde einen Satz / ein Wort oder Symbol zusammen.
  • Fertige Begriffskarten mit den wesentlichen Begriffen (eine gute Ausgangsbasis ist die mindmap) an, schreibe eine Kurzdefinition auf die Rückseite. So kannst du dich selbst immer wieder „abfragen“ und dein Wissen auffrischen.
  • Sage dir die Lerninhalte laut vor.
  • Lass dich ausfragen und springe dabei auf dem Trampolin.
  • Begib dich auf die „Vokabeltreppe“: Frage dich selbst ab oder lass dich abfragen: wenn du es richtig hast, darfst du eine Stufe hoch, wenn noch nicht, bleibst du stehen, wenn es falsch ist, geht es eine Stufe nach unten.
  • Sieh dir Lern- oder Erklärvideos im Internet an. Es gibt hier gute Seiten, die das Wesentliche strukturiert und super erklärt zusammen fassen.
  • Trainiere deine visuellen Fähigkeiten, denn in Bildern lernt das Gehirn tatsächlich am leichtesten.

Wie sind deine Erfahrungen mit dem Nutzen aller Lernkanäle? Ich bin gespannt!



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