Weshalb du nicht auf eine Lerngruppe verzichten solltest

Lerngruppen mit Erfolg

“Wenn du’s erklären kannst, hast du’s verstanden”, war der auch heute noch gültige Lerntipp meines Dads. Das ist ja auch einleuchtend. Wenn du Gelerntes konkret in eigene (!) Worte fassen musst, offenbaren sich Lücken. Erst im flüssig – oder eben holprig – laut vorgetragenen Gedankengang zeigt sich, ob du ein Thema tatsächlich durchdrungen hast.

Das Gehirn ist schließlich ein “soziales Organ” und auf Austausch, Beziehung und Kommunikation angewiesen. Nur im Austausch mit anderen kannst du deine Ideen, Sichtweisen und Theorien darlegen, reflektieren und erweitern. Und gegebenenfalls revidieren. 

Weshalb viele trotzdem lieber alleine vor sich Hinbüffeln? 

Grund #1: Lerngruppen haben nicht den gewünschten Effekt

Grund #2: Irgendwann gibt es schlechte Stimmung und die Gruppe fällt auseinander 

Grund #3: Es ist schwierig nicht abzuschweifen und tatsächlich an den Themen zu arbeiten

Grund #4: Schon in der Schule war Gruppenarbeit ätzend. Einer hat was getan, die anderen haben sich ausgeruht und die gleiche Note bekommen.

Wie sind deine Erfahrungen mit Lerngruppen in Schule oder Studium? Teile sie im Kommentar!

 

Hier ein Rezept für Lerngruppen, die zum Erfolg führen

1. Begrenzt die Teilnehmerzahl

Wichtig zu wissen: Je größer die Gruppe, desto dynamischer und störanfälliger ist sie. 

Und wenn ihr dann noch versäumt, Rahmen und Struktur für eure Zusammenarbeit in der Gruppe vorab zu vereinbaren, kracht es umso wahrscheinlicher  Es starten unbewusste, gruppendynamische Prozesse, ob ihr wollt oder nicht. Das ist auf jeden Fall ein wertvoller Lern- und Kommunikationsprozess. Er kostet aber Zeit und Energie.

Wenn dir aber jede Menge Lernstoff und eine näherrückende Prüfungsdeadline im Nacken sitzen, willst du eine funktionierende Lerngruppe, die ihren Zweck erfüllt. 

Goldene Regel: Bildet Zweier-, maximal Vierergruppen.

2. Vereinbart ein Ziel für eure Zusammenarbeit

Wir zielen zu wenig und streben oft zu viel. Das rächt sich, wenn die Erwartungen an eine Lerngruppe total verschieden sind. 

Die Kernfrage ist also: WOZU soll die Lerngruppe dienen? Zeitersparnis? Gegenseitige Motivation und “Seelsorge”? Aufarbeiten von Lernlücken oder konkrete Prüfungsvorbereitung?

Überlegt euch bei eurem ersten Treffen, wozu die Lerngruppe dienen soll. Und wozu nicht. 

Erst dann könnt ihr in einem zweiten Schritt die Inhalte sinnvoll besprechen und vereinbaren, wie ihr miteinander arbeiten wollt. 

3. Klärt den Rahmen und die Struktur für eure Lernmeetings

Damit ihr als Lernteam oder -partner gut arbeiten könnt, müsst ihr euch erstmal den Rahmen für eure Zusammenarbeit aushandeln: 

Welche Regeln wollt ihr eurer Gruppe geben?  Unter welchen Bedingungen wollt ihr miteinander arbeiten? 

  • Wie oft wollt ihr euch wo wie lange treffen? 
  • Wie könnt ihr garantieren, dass die Treffen effektiv für jeden laufen?
  • Welche Arbeitsmethodik ist für die Erschließung oder Vertiefung des Themas sinnvoll? 
  • Soll die Aufarbeitung eines Themas in der Gruppe oder vorher stattfinden?

Klingt nicht gerade sexy. Ich weiß. Aber es sind wichtige Fragen – und sie müssen geklärt werden. Gerade, wenn ihr befreundet seid und euch gut kennt. 

Vielleicht winkst du jetzt ab: “Ach was – jetzt machen wir mal, wenn es schwierig wird, können wir immer noch den ganzen Bürokratiekram nachholen…” 

Ja könnt ihr. Aber wenn die Schritte: Ziel und Rahmen klären übergangen werden, fliegt euch die Gruppe irgendwann um die Ohren.

(Das passiert übrigens mit jeder Gruppe, die ihre Hausaufgaben diesbezüglich nicht macht.) 

Wieso? Weil…

… sich Bedürfnisse und Erwartungen nicht erfüllen. Wie auch, wenn sie niemand ausgesprochen hat?

… sich die daraus entstehende Unzufriedenheit irgendwann Bahn bricht und mindestens einer Person der Kragen platzt.

…  eine Dynamik entsteht, die nur mit viel Energie und Kommunikationsbereitschaft konstruktiv umgelenkt werden kann. Da liegt es dann nahe, lieber alleine vor sich hinzubügeln.

Also – klärt den Rahmen vorher. Auch, was passieren soll, wenn jemand den Rahmen ständig “ausbeult”. Mein Tipp: Rauswerfen. 

4. Erstellt eine Themenliste und einen groben Zeitplan für die Lerninhalte

Damit du dich mit deinen Lernpartner.innen nicht verzettelst, empfehle ich dir, ein grobes Themenraster mit deiner Lerngruppe zu erstellen. Erst wenn jedem die relevanten Themen klar sind, könnt ihr ein grobes Zeitraster für die Prüfungsvorbereitung erstellen. 

Manche Themen sind vielleicht nicht für alle relevant – na und? Dann klammerst du die eben aus der Lerngruppe aus. 

Wichtige Fragen: 

An welchen Themen wollt ihr wann arbeiten? 

Was ist für die Prüfung relevant? Was nicht? 

Welche Kernthemen müssen auf jeden Fall enthalten sein? Was kann erstmal außen vor bleiben? 

Wann sind die Prüfungen? Plant die Zeit für die Examensvorbereitung von hinten. Daraus ergibt sich die Dauer der Vorbereitung. 

5. Gebt jedem Lerngruppentreffen einen klaren roten Faden

Viele Lerngruppen sind letztlich nervtötend und lähmen mehr als dass sie motivieren.

Stimmt, weil sie oft in Gequatsche weit weg vom Thema enden und ihr vom Hundertsten ins Tausendste kommt. 

Wenn die Teilnehmer.innen befreundet sind, kann es besonders schwierig sein, professionell und sachlich miteinander zu arbeiten. Das ist eine ganz andere Rolle und manchmal komisch. Besonders, wenn einer partout in der Rolle des “Best Buddy” bleiben will. 

Gerade dann ist es sinnvoll, einen festen Ablauf zu vereinbaren. Die folgende Struktur hat sich bewährt:  

  1. Themen sammeln
    Was ist vom letzten Mal offen geblieben? Was soll heute – außer dem vereinbartem Themenbereich – bearbeitet werden? 
  2. Erstellung eines Themenplans für dieses Treffen
    Was von den genannten Themen kommt heute auf die  To-do-Liste? Wie soll mit den Not-today-Themen verfahren werden? 
  3. Rollen verteilen
    Wer achtet darauf, dass wirklich nur die vereinbarten Themen diskutiert werden? (Achtung – bei Themenwechsel “einzuschreiten” kostet Mut!) Wer fasst zusammen und “moderiert” das Treffen? Es sollten nicht immer die Gleichen sein!
  4. Wie soll an den Themen gearbeitet werden? 
  5. Feedback zu dem Treffen. Wichtig!
    Was ist bei diesem Treffen gut gelaufen? Wo war es wenig effektiv? Wann trefft ihr euch wieder? 

Wenn deine Gruppe aus 4 Leuten besteht – oder sogar mehr – sind die Punkte besonders wichtig! 

Fehlende Struktur ist Gruppendynamit!

5. Vorbereitung und Arbeitsabläufe in der Gruppe sinnvoll organisieren

Ein Hauptgrund, weshalb viele Lerngruppen so schnell wieder auseinanderbrechen, ist, dass tatsächlich auch viel Zeit vertan wird. Wenn du nur mäßig vorbereitet in das Treffen startest, ist es für dich und auch die anderen pure Zeitverschwendung. 

Dabei gibt es viele Möglichkeiten den Austausch in einer Lerngruppe effektiv und wirkungsvoll zu gestalten.

Seid kreativ in dem Versuch euch Zeit zu sparen.

Muss wirklich jeder jedes Buch durchlesen? Oder lassen sich Themen in Eigenarbeit vorbereiten und dann beim Lerntreffen so präsentieren, dass die anderen einen Lerngewinn haben? 

Es kann sinnvoll sein, eine eigentlich (zu) große Lerngruppe in Tandems aufzuteilen. Diese Lernteams können sich dann, unabhängig von der Großgruppe treffen und ein Thema gemeinsam so aufbereiten, dass die anderen bei dessen Präsentation einen echten Gewinn davon haben.

Gut, wenn ihr für die Präsentation eine Mapping-Technik verwendet, die für den Rest der Gruppe auch Raum für eigene Gedanken und Notizen lässt.

Auch Aufträge wie Skripte kopieren, Termine beim Prüfungsamt erfragen oder alte Prüfungsaufgaben organisieren muss doch nicht jeder einzelne machen. Verteilt die unterschiedlichen To dos auf mehrere Schultern und spart dadurch jede Menge Zeit! 

6. Eignet euch Lernstrategien und -methoden an, um sie auch in der Lerngruppe zu nutzen

– Eine Prüfung mit echten Prüfungsfragen simulieren
– Eine Mindmap erstellen und dann in der Lerngruppe präsentieren
– mit ABC Listen arbeiten und dann einzelne Themen durchsprechen
– eine Lernkartei mit Definitionen und Schlüsselbegriffen erstellen, die allen nutzen können
– konkrete Anwendungsbeispiele finden
– wechselseitiges Lernen und Lehren

7. Achtet auf eine positive Grundstimmung 

Auch wenn es in jeder Prüfungsvorbereitung mal Hänger gibt und Motivationslöcher – achtet immer auf das, was schon gut läuft. Ein positives Mindset kannst du üben. Markiere die bereits erledigten Themen mit einem fetten grünen Haken. 

Wenn du jetzt denkst – na, ehrlich. Das hört sich aber wirklich nach einer großen Zeitinvestition an. 

Ja. stimmt. Aber was du am Anfang reinsteckst, bekommst du doppelt zurück.

Einzelkämpfertum bringt bringt dich nicht weiter. Ein Plüschschaf auch nicht. 

Eine funktionierende Lerngruppe ist motivierend und sorgt auch über einen längeren Vorbereitungszeitraum dafür, dass du am Ball bleibst. Aufschieberitis und Last-minute-Pauken, ade. 

Der Austausch in einer Lerngruppe hilft dir, dein Wissen noch besser zu vernetzen und kritisch zu hinterfragen, Lücken zu erkennen, Verständnis zu vertiefen und durch häufige Wiederholungsschleifen Fakten besser abrufen zu können. 

Feedback und Testläufe in einer Lerngruppe bereiten dich effektiv auf die reale Prüfungssituation vor und geben dir Sicherheit.  

Amen.

 

Wie lernst du am liebsten? Wie bringst du deine Lerngruppe zum Laufen?

Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen in den Kommentaren. Nicole.


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Mutmacherin, lernfex und Coach - ganz ohne Blabla und Räucherstäbchen.


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