Mythos # 1: Gehirn synchronisieren.

Rechts „Hui!“, links „Pfui“! Der Mythos von den Überkreuzbewegungen

Es ist natürlich völlig korrekt, dass jedes intakte Gehirn aus zwei Hälften besteht.
Kurios daran ist: Die linke Gehirnhälfte steuert die rechte Körperhälfte, die rechte Gehirnhälfte die linke.

Weshalb sich alles Sinnes- und Nervenfasern irgendwo überkreuzen, ist selbst unter Hirnforschern noch nicht abschließend geklärt. Diese kreuzweise Steuerung hat aber sicher einen guten Grund. Vielleicht, weil wir ja auch eine rechte und linke Körperhälfte haben. Wer weiß.

Spannend ist dabei, dass die beiden Gehirnhälften nicht ganz symmetrisch sind, sondern die linke Gehirnhälfte mit dem Sprachzentrum (dem Broca- und Wernicke-Areal) meist größer ist.

Der vermeintlich logische Schluss war dann: In der Sprache steckt viel Logik, Grammatik und Struktur. Dann muss wohl die linke Gehirnhälfte für logisches und analythisches Denken zuständig sein, die rechte dann für Emotionen und Kreativität.

Klingt logisch, ist aber leider Unsinn.

Zu allem Überfluss wird in immer noch zu vielen Lernratgebern die linke Gehirnhälfte gegen die rechte ausgespielt.

Mathematiker sind ja so logisch und analytisch, und Künstler lieben das kreative Chaos.
So genannte „Linkshirner“ sollen dann plötzlich mehr mit „rechts“ denken, und kreative Chaoten etwas mehr mit links. Und ihre beiden Hirnhälften auch noch mit  lustigen Überkreuzbewegungen „synchronisieren“.

Als ob rechts gut und links schlecht wäre!

Folgende Erkenntnisse aus der Neurobiologie widerlegen diese Theorie

Erstens: Damit das Gehirn „zusammenhält“, sind beide Gehirnhälften durch einen fingerdicken Balken miteinander verbunden. Dieser Balken enthält gut 250 Millionen Nervenfasern. Eine echt schnelle Datenautobahn also.

Die wird benötigt eben WEIL die beiden Gehirnhälften ständig miteinander in Kontakt stehen und vor allem gleichzeitig aktiv sind.

Informationen treffen ein, werden an unterschiedliche Areale im Gehirn verteilt und gleichzeitig verarbeitet.

Kann ja jeder sagen? Naja… ich habe das ja nicht herausgefunden, sondern Hirnforscher.

Aber, wenn ich an das Lösen von Mathematikaufgaben denke, finde ich das auch ohne Neurobiologiestudium ziemlich einleuchtend.

Nimm eine Textaufgabe in Mathe: Die sprachliche Information muss ebenso verarbeitet werden, wie die reine Rechenoperation gelöst werden muss.

Doch in der Textaufgabe stecken ja meistens auch jede Menge verschiedenfarbige Gummibärchen, die an unterschiedlich viele Kinder verteilt werden müssen – schon hast du ein Bild hierzu im Kopf.

Dann überlegst du hin und her – vielleicht ist das Ganze noch etwas kniffelig…Zack – da war sie, die kreative Leistung.

Alles gleichzeitig und ohne, dass du das aktiv steuern musst oder es verhindern könntest.

Ein Glück! Unser Gehirn ist eben dieses riesige Netzwerk, das als Einheit funktioniert. Ist das nicht klasse?

Weshalb die liegende Acht trotzdem wirkt

Wenn du das Lernen bisher immer mit einer liegenden Acht gestartet hast, wirkt diese Bewegung vor allem als Anker, der signalisiert: Liebes Gehirn: Ab jetzt wird mal so was von gelernt. Also: konzentriere dich mal lieber!

Auch ohne Überkreuzbewegungen funktioniert also dieses unglaubliche Organ.

Der Effekt von „Mit dem linken Ellenbogen ans rechte Knie und umgekehrt“ ist eine erhöhte Atemfrequenz.

Bewegung aktiviert den Kreislauf.

Das Herz pumpt mehr Sauerstoff ins Blut. Und damit auch ins Gehirn.

Und ein ausreichend mit Sauerstoff versorgtes Gehirn, lernt und konzentriert sich besser.

Auf der Stelle hüpfen tut’s aber auch. Ehrlich!

 

Bleib‘ dran!

Nick.

 

PS: Übrigens: Bewegung während des Lernens ist fast noch besser. Ein Plädoyer für die guten alten Lernkarten und Vokabelkartei. Davon wirst du mehr in einem anderen Beitrag lesen, den du hier schon mal bestellen kannst!